Jazz'n'Art
37

Freitag,
20. Juni 2008:
Das
Alexander Sobocinski Quartet
trifft
Die Weissenhofer
Zum 37. Mal begegnen sich bildende Kunst
und neue improvisierte Musik
in der Ausstellungshalle des
KunstWerk e.V.,
Das Quartet um Alexander Sobocinski spielt
eine Mischung aus Mainstreamjazz,
ECM, Rock und Freejazz. Zwischen John Scofield und Bill Frisell
bewegt sich
dieabwechslungsreiche Soundlinie des Arnheimer Studenten.
Dieses Mal präsentiert er sein Diplomrepertoire, das zum größten
Teil aus
seinen eigenen Stücken besteht. Sobocinskis Kompositionen bestechen
durch
eine neoromantische Verträumtheit die mit seinem langen Weggefährten
Benjamin Himpel (Saxophon) durch eine Vielzahl von Auftritten in
einer
Dialogartigen Weise auf der Bühne aufgeführt wird.
Die Beiden Musiker - auch von Bands wie "Cooljazz Trio"
oder "Duo Dynamico"
bekant - haben als Rhythmsection die beiden in Köln studierten
Thomas Kozok
am Kontrabass und Maik Ollhoff am Schlagzeug mit an Bord.
Marx und Engels schrieben eins, die Futuristen
hatten eins und auch die Surrealisten konnten nicht darauf verzichten.
Ein gemeinsames Manifest war ihr jeweiliges Glaubensbekenntnis. Die 1995
gegründete Künstlergruppe "Die Weissenhofer", die aus Keith
(alias Jörg Mandernach), Bob (alias Uwe Schäfer) und Carl
Weissenhofer (alias Matthias Beckmann) besteht, setzt an die Stelle des
bei Künstlergruppen der Avantgarde üblichen Manifestes eine Legende,
die ironisch-lustvoll mit Künstlerklischees spielt und die
Traditon der Künstlerviten Girogio Vasaris (Florenz 1550) zitiert.
Die Weissenhofer
Die Legende weiß zu berichten, dass die Brüder
Keith, Bob und Carl in ärmlichen Verhältnissen auf dem Weissenhof im
Wallistal aufgewachsen sind, wo sie durch Löffelschnitzen und das
Bemalen kleiner Holztafeln mit alpinen Motiven zum kargen Unterhalt der
Familie beitrugen. Als die wirtschaftliche Lage immer schwieriger wurde
und eines nachts der Weissenhof abbrannte, suchte die Familie ihr Glück
in der Neuen Welt. Dort bauten die Brüder durch harte Arbeit die
Weissenhofer-Ranch auf, entdeckten die Wirkung des Whiskeys und
entwickelten ihre Schrammelmusik weiter zum Rock'n Roll. Als sich erste
Erfolge als Kunstmaler einstellten und sie die Eltern gut versorgt
wussten, kehrten die Brüder heim in die Alte Welt, wo man sie als Künstlergruppe
und Live-Rock-Ensemble "Die Weissenhofer" kennt
Der Ausstellungsraum im Kunstwerk e.V. wird zum
Weissenhofer-Heimatmuseum. Eine reich illustrierte Zeittafel
stellt der Geschichte der Weissenhofer (1982 Die Weissenhofer-Ranch wird
errichtet) wichtige Daten der Zeit- und Kulturgeschichte gegenüber
(1982 Joseph Beuys singt den Politsong "Sonne statt Reagan").
Auf Sockeln liegen die sorgfältig dokumentierten Habseligkeiten, die
aus dem brennenden Weissenhof gerettet werden konnten (Familienbibel,
Rosenkranz, Socken, Wasserflasche, Axt, Mundharmonika) und großformatige
Photographien zeigen die Jugend der Brüder. Weitere Familienphotos, die
damals ein Raub der Flammen wurden, haben die Weissenhofer aus der
Erinnerung nachgemalt.
Ergänzt wird die Schau durch aktuelle Werke der
drei Vollblutkünstler - eine figurativ-rätselhafte
Klebeband-Wandzeichnung von Jörg Mandernach, farblich vielschichtige
Landschaftsbilder sowie Objekte von Uwe Schäfer und lineare
Dokumentarzeichnungen von Matthias Beckmann.
Zur Eröffnung der Ausstellung spielen die
Weissenhofer (Gesang, Gitarre, Gießkanne, Verstärker) neben eigenen
Songs wie dem Weissenhoferlied ("Wir sind mittags meist schon voll/
Wir machen Kunst und Rock'n Roll") auch den Beuys-Hit von
1982.